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Freitag, 13. April 2007 19:30
Wer soll das verstehen?
Mit seinem neuen Buch mischt sich der Papst in die exegetische Nischendiskussion um die Gestalt des historischen Jesus ein. Jeder ist frei, ihm zu widersprechen. Aber die wenigsten werden ihn verstehen.
Umschlag des neuen Papst-Buches
Umschlag des neuen Papst-Buches
(kreuz.net) Kardinal Christoph Schönborn von Wien hat heute nachmittag in Rom das Buch „Jesus von Nazareth“ vorgestellt.

Es umfaßt rund 400 Seiten. Der Verfasser ist des Werkes ist Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.

Benedikt XVI. begann noch vor seiner Wahl zum Papst mit der Niederschrift des Manuskriptes.

Entsprechend erklärte Kardinal Schönborn bei der Pressekonferenz, daß in dem Buch nicht der Papst spreche:

„Auch nicht der vormalige Kardinal, der Bischof, der Professor, der Priester, sondern der einfache Gläubige, der Christ Joseph Ratzinger.“

Im Vorwort werde eigens darauf hingewiesen, daß es sich bei dem Buch nicht um ein lehramtliches Dokument handle. Es ist „einzig Ausdruck meines persönlichen Suchens ‘nach dem Angesicht des Herrn’“ – so der Papst.

Benedikt XVI. begibt sich – nach Kardinal Schönborn- mit seinem Buch auf den Marktplatz der zahllosen Meinungen über die Person Jesu. Deshalb fordert der Heilige Vater seine Leser gleich zu Beginn auf, seiner Sicht von Jesus zu widersprechen:

„Es steht daher jedermann frei, mir zu widersprechen. Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuß an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt.“

Für den liberalen Wuppertaler Neutestamentler, Thomas Söding, zeigt sich in dem Buch ein neuer Stil des Papsttums:

„Der Stellvertreter Christi auf Erden formuliert kein Dogma, sondern stellt seine Beobachtungen als Theologe zur Diskussion.“

Das ist – nach Söding – „revolutionär“.

Sogenannt historisch-kritische Exegese
Zweifel an der Darstellung Jesu in den Evangelien würden heute nicht nur von Glaubensfernen und Kirchenkritikern kommen – so Kardinal Schönborn. Zweifel kämen auch „aus den eigenen Reihen“:

„Seit über 200 Jahren hat die historische Bibelkritik so ziemlich alles in Frage gestellt, was in der Bibel über Jesus zu finden ist. Seine Gestalt schien sich immer im Diffusen aufzulösen.“

Der Papst beklagt in seinem Buch, daß ein „Riß zwischen dem ‘historischen Jesus’ und dem ‘Christus des Glaubens’ entstanden“ sei.

Der kirchliche Glaube an Jesus Christus – so Kardinal Schönborn – erscheine als eine nachträgliche „Vergöttlichung“ Jesu von Nazareth, von dem man eigentlich kaum etwas Sicheres weiß.

Papst Benedikt XVI. beklagt das in seinem Buch:

„Dieser Eindruck ist inzwischen weit ins allgemeine Bewußtsein der Christenheit vorgedrungen. Eine solche Situation ist dramatisch für den Glauben, weil sein eigentlicher Bezugspunkt unsicher wird.“

Verteidiger und Kritiker
Benedikt XVI. kennt die sogenannt historisch-kritische Methode der Bibelauslegung – so Kardinal Schönborn.

Wenn der Papst ihr gegenüber kritisch sei, so nicht aus Angst, sondern aus der „begründeten und durchargumentierten“ Überzeugung, daß sie ihre Grenzen anerkennen müsse.

In dem Buch weist der Papst darauf hin, daß seine Lektüre nicht gegen die moderne Exegese gerichtet sei, sondern in „großer Dankbarkeit für das viele, das sie uns“ – angeblich – „geschenkt hat und schenkt“.

Mit den ideologiebeladenen Methoden der sogenannten „historisch-kritischen Exegese“ möchte der Papst „den Jesus der Evangelien als den wirklichen Jesus, als den ‘historischen Jesus’ im eigentlichen Sinn darstellen“.

Der Heilige Vater glaube, daß diese Gestalt viel logischer und auch historisch betrachtet viel verständlicher ist als die Rekonstruktionen, mit denen wir in den letzten Jahrzehnten konfrontiert wurden – so der Kardinal:

„Ich denke, daß gerade dieser Jesus – der der Evangelien – eine historisch sinnvolle und stimmige Figur ist“ – zitiert der Kirchenfürst den Heiligen Vater.

In seinem Werk beruft sich der Papst auf das vor dreißig Jahren in Amerika entwickelte Projekt der „kanonischen Exegese“.

Diese Methode will die Absichten einzelner Texte im Licht der ganzen Heiligen Schrift verstehen:

„So bleibe immer die ganze Bibel maßgeblich für die Interpretation der einzelnen Stelle und zerfalle nicht in zusammenhanglose Texte“, erklärt der Heilige Vater in dem Buch.

Sperrig und hochkompliziert
Der Vatikanist der deutschen Tageszeitung ‘Welt’ befürchtet, daß die päpstliche Beschäftigung mit der historisch-kritischen Exegese für viele Leser „anstrengend“ werden könnte.

Zwar sei das Buch ein „hochkomplexes Meisterwerk“. Es enthalte aber leider auch „sperrige Sätze“.

Beispielsweise schreibt der Papst:

„Volker Hampel meint, daß Jesu Lösegeld-Wort nicht von Jes 53,10-12, sondern von Spr 21,18 und Jes 43,3 herzuleiten sei, was mir sehr unwahrscheinlich vorkommt“.

Ein Buch in dem Worte wie „eschaton“ oder „die gelebte Kenose Jesu“ keine Fremdworte sind, widme sich der Auseinandersetzung mit Exegeten.

Außerhalb der entsprechenden Fachseminare werde sie kein Mensch in Deutschland oder gar Afrika, Amerika, Asien oder Australien kennen.

Große Strecken setzen sich mit vorwiegend protestantischen deutschen Exegeten der letzten und vorletzten Generation auseinander: Joachim Jeremias († 1979), Adolf von Harnack († 1930), Hartmut Gese (78) und nicht zuletzt Oscar Cullmann († 1999).

Auch der Katholik Hw. Rudolf Schnackenburg († 2002) kommt zu Wort.

Der Band enthält aber auch theologische Novellen über die Bergpredigt, das Vaterunser und die großen Gleichnisse.

Das neue Buch beginnt in Deutschland mit einer ersten Auflage von 200.000. Es wird in 32 Sprachen übersetzt.


Benedikt XVI./Joseph Ratzinger:
Jesus von Nazareth. Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung.
Herder, Freiburg.
24 Euro
448 Seiten
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 38 Lesermeinungen:
Samstag, 14. April 2007 17:12
Ministrant: @Athanasius
So lang keiner Ihrer ketzerischen Bischöfe der Hlg. Römischen Katholischen und Apostolischen Kirche vorsteht bin ich zufrieden.
Samstag, 14. April 2007 16:31
wiener: @ athanasiusII
pardon, aber nach dem letzten posting ihrerseits bleibt mir nur festzustellen, dass sie offenbar nichts weiter als ein mieses schwein sind.
sie lügen, verleumden, werfen mit dreck um sich.
aber bedenken sie, dass das eben auf sie zurückfällt und nicht auf den von ihnen so mit dreck beworfenen.
Samstag, 14. April 2007 15:39
st.georg: qathanasiusII
wenn sie etwas bekannt geben, zu dem sie schweigen, geben sie es ja bekannt… solche verleumder wie sie hat der hw. herr kardinal nicht verdient…
Samstag, 14. April 2007 15:26
AthanasiusII: Skandalös
Was ich skandalös finde, ist dass dieser Schönborn da wieder auftritt als Kardinal der Hlg. Römischen Kirche. Während er wenige Tage später wieder Mahlfeiern in Jugendkirchen mit Rockmusik, Traubensaft und sonstiger ungültiger Materie (Fladenbot des Dönerladens), vorsteht.

Dás ist erst These und Antithese.

[von der Redaktion zensuriert]. Wir sind heute in einer schlimmeren Zeit als z. Zt. Alexander VI., Honorius I. oder Liberius. Wir sind in einer Zeit der Judasse und der fliehenden Petrusse und verängstigten Apostel.
Samstag, 14. April 2007 14:37
Genoveva: Menschenfischer
Das aktuelle Thema ist ein schöner Lackmus-Test für die Befindlichkeit nicht erheblicher Teile des +.net-Forums.

„Schuster, bleibe bei Deinen Leisten“ denken sich diese Leute und meinen „Papst – erlasse das eine oder andere (vor allem das eine) Motu Proprio, ernenne tüchtige Bischöfe und Kardinäle, schärfe die ‘wahre Lehre’ ein, aber bitte, bitte, gehe uns nicht mit Jesus von Nazaret auf die Nerven“.

So sieht katholisch-rechtgläubige Gottlosigkeit aus.

B XVI. ist nicht zuerst Verwalter und Regent, sondern Nachfolger des Apostels Petrus, der durch die halbe Welt gezogen ist, um von Jesus von Nazaret zu berichten.

Aber für den genannten Personenkreis ist der völlig uninteressant. Man hat ja seine Katechismus-Wahrheiten und für jede Anfrage seinen hochmütigen pseudo-dogmatischen Spruch, den man in seiner überheblichen Dummheit für treffende Apologetik hält.

Udn wenn jemand sich mit den konkreten Zweifeln seiner Mitmenschen beschäftigt (weil er sie selbst existentiell kennt), dann quatscht man etwas von einem „Verstoß gegen die Tugend des Glaubens“. So einfach scheint die Evangelisierung der Völker zu sein.
Samstag, 14. April 2007 10:54
Aurelius: @r.ruhrgebietler
Ratzi, das war wohl nix.

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